Welche Zentrifuge passt zu deinem Labor? 7 Fragen vor dem Kauf

Kurz gesagt

Die passende Zentrifuge wird nicht allein nach der maximalen Drehzahl ausgewählt.

Wichtig sind außerdem:

  • benötigte Zentrifugalkraft
  • Probengefäße
  • Rotor
  • Kapazität
  • Kühlung
  • verfügbare Programme
  • Platzbedarf
  • vorgesehene Anwendungen

Die höchste Zahl im Datenblatt gewinnt also nicht automatisch.

1. Welche Proben sollen zentrifugiert werden?

Am Anfang steht die Anwendung.

Überlege genau:

  • Welche Proben werden verarbeitet?
  • Welche Volumina fallen an?
  • Welche Gefäßtypen werden verwendet?
  • Wie viele Gefäße sollen gleichzeitig eingesetzt werden?
  • Welche Ergebnisse müssen erreicht werden?
  • Wie häufig wird das Gerät genutzt?

Eine kompakte Tischzentrifuge kann für kleinere Probenmengen völlig ausreichen. Bei größeren Volumina, speziellen Gefäßen oder höheren Durchsätzen kann ein anderes Modell erforderlich sein.

„Wir nehmen einfach eine möglichst große“ ist verständlich. Es ist nur noch keine technische Anforderung.

2. RCF oder RPM: Was ist der Unterschied?

Bei Zentrifugen werden häufig zwei Werte angegeben:

  • RPM bezeichnet die Umdrehungen pro Minute.
  • RCF beschreibt die relative Zentrifugalkraft, häufig als x g angegeben.

Der entscheidende Unterschied: Zwei Rotoren mit unterschiedlichen Radien können bei derselben Drehzahl unterschiedliche Zentrifugalkräfte erzeugen.

Die RCF hängt daher nicht nur von der Drehzahl, sondern auch vom Radius des Rotors ab.

Kurz gesagt:

RPM sagt dir, wie schnell sich der Rotor dreht. RCF sagt dir, welche Kraft tatsächlich auf die Probe wirkt.

Eine hohe RPM-Zahl sieht im Datenblatt beeindruckend aus. Deine Probe lässt sich davon allein allerdings nicht beeindrucken.

3. Welcher Rotor wird benötigt?

Der Rotor beeinflusst, welche Gefäße eingesetzt werden können, welche Kapazität verfügbar ist und welche Kraft auf die Proben wirkt.

Zu den verbreiteten Varianten gehören:

Festwinkelrotor

Die Gefäße sitzen während des Laufs in einem festen Winkel.

Diese Rotoren werden häufig für Anwendungen eingesetzt, bei denen hohe Drehzahlen oder eine kompakte Pelletbildung benötigt werden.

Ausschwingrotor

Die Gefäße schwingen während der Rotation in eine horizontale Position.

Diese Bauform kann für bestimmte Trennverfahren oder größere Gefäße geeignet sein.

Spezialrotoren

Je nach Zentrifuge können weitere Rotoren für besondere Gefäßtypen, Platten oder Anwendungen angeboten werden.

Vor dem Kauf solltest du deshalb prüfen:

  • Welche Rotoren sind im Lieferumfang enthalten?
  • Welche Rotoren sind optional verfügbar?
  • Welche Gefäße passen hinein?
  • Welche maximale RCF ist mit dem jeweiligen Rotor möglich?
  • Wie aufwendig ist der Rotorwechsel?

Rotor und Zentrifuge müssen ausdrücklich miteinander kompatibel sein.

4. Welche Gefäße werden verwendet?

Die Frage klingt banal, verhindert aber später überraschend viel Ärger.

Notiere vor der Auswahl:

  • Gefäßtyp
  • Fassungsvermögen
  • Abmessungen
  • Material
  • Anzahl der Gefäße pro Lauf
  • benötigte Adapter

Auch wenn das Volumen theoretisch passt, kann für ein Gefäß ein bestimmter Adapter erforderlich sein.

Ein 50-ml-Gefäß wird nicht dadurch kompatibel, dass man es entschlossen genug anschaut.

5. Wird eine Kühlung benötigt?

Bei bestimmten Proben oder längeren Läufen kann die Temperatur eine wichtige Rolle spielen.

Dann kann eine gekühlte Zentrifuge erforderlich sein. Abhängig vom Modell können unter anderem folgende Funktionen verfügbar sein:

  • einstellbare Temperatur
  • Vorkühlfunktion
  • Temperaturanzeige
  • Programme für wiederkehrende Abläufe
  • automatische Rotorerkennung

Ob eine Kühlung notwendig ist, hängt von den Proben, dem Verfahren und den vorgegebenen Prozessbedingungen ab.

6. Wie viel Kapazität wird im Alltag gebraucht?

Die maximale Kapazität sollte zu den tatsächlichen Arbeitsabläufen passen.

Frage dich:

  • Wie viele Proben fallen pro Lauf an?
  • Gibt es regelmäßig Spitzenzeiten?
  • Werden unterschiedliche Gefäßgrößen verwendet?
  • Ist ein höherer Durchsatz absehbar?
  • Werden mehrere Rotoren benötigt?

Ein zu kleines Gerät führt möglicherweise zu unnötig vielen Läufen. Ein deutlich überdimensioniertes Gerät kann dagegen unnötig Platz und Budget beanspruchen.

Ideal ist nicht „so groß wie möglich“, sondern „so groß wie sinnvoll“.

7. Welche Bedienfunktionen sind hilfreich?

Je nach Nutzung können verschiedene Funktionen den Laboralltag erleichtern.

Dazu gehören beispielsweise:

  • direkt einstellbare RCF- und RPM-Werte
  • gespeicherte Programme
  • Timer
  • Kurzlauf-Funktion
  • automatische Deckelverriegelung
  • Rotorerkennung
  • übersichtliches Display
  • einstellbare Beschleunigungs- und Bremsrampen
  • Status- und Fehlermeldungen

Nicht jede Funktion wird in jedem Labor gebraucht.

Wenn niemand die 47 gespeicherten Programme verwendet, sind es am Ende einfach 46 Programme zu viel.

Weitere Punkte vor dem Kauf

Neben den technischen Kerndaten solltest du auch praktische Fragen berücksichtigen:

  • Wie viel Stellfläche steht zur Verfügung?
  • Wie hoch ist das Gerät?
  • Wie laut ist es im Betrieb?
  • Wie lässt sich der Innenraum reinigen?
  • Welche Stromversorgung wird benötigt?
  • Welche Wartungsanforderungen bestehen?
  • Sind Ersatzteile und Zubehör erhältlich?
  • Welche Dokumentation wird mitgeliefert?

Checkliste für deine Zentrifuge

Halte vor einer Produktauswahl möglichst diese Angaben bereit:

  • vorgesehene Anwendung
  • Probenart
  • benötigte RCF
  • gegebenenfalls benötigte RPM
  • Gefäßtyp und Volumen
  • Anzahl der Gefäße
  • gewünschter Rotor
  • Kühlung erforderlich: ja oder nein
  • benötigte Programme
  • maximal verfügbare Stellfläche

Damit lassen sich ungeeignete Modelle deutlich schneller aussortieren.

Häufige Fragen zu Laborzentrifugen

Ist RPM das Gleiche wie RCF?

Nein. RPM gibt die Drehzahl an. RCF beschreibt die auf die Probe wirkende relative Zentrifugalkraft und berücksichtigt zusätzlich den Radius des Rotors.

Kann jeder Rotor in jeder Zentrifuge verwendet werden?

Nein. Rotoren müssen für das jeweilige Gerät zugelassen und kompatibel sein.

Wann brauche ich eine gekühlte Zentrifuge?

Eine Kühlung kann erforderlich sein, wenn Proben während des Laufs innerhalb bestimmter Temperaturbedingungen gehalten werden müssen.

Sollte ich die Zentrifuge nach der höchsten Drehzahl auswählen?

Nein. Entscheidend sind die erforderliche RCF, die Anwendung, der Rotor, die Gefäße und die benötigte Kapazität.

Drehen kann fast jede. Passen muss sie.

Bei Lila LAB findest du Laborzentrifugen für unterschiedliche Probenmengen, Rotoren und Anwendungen.

Vergleiche die technischen Daten der verfügbaren Modelle und fordere direkt ein Angebot für deine ausgewählte Zentrifuge an.

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