ULT-Gefrierschrank kaufen: Worauf kommt es wirklich an?
Kurz gesagt
Ein ULT-Gefrierschrank sollte nicht einfach nur möglichst kalt sein. Entscheidend sind die erforderliche Lagertemperatur, das nutzbare Volumen, die Innenaufteilung, die vorgesehenen Proben und die technischen Anforderungen deines Labors.
Oder noch kürzer: Der größte Gefrierschrank mit den meisten Knöpfen ist nicht automatisch der beste.
Was ist ein ULT-Gefrierschrank?
ULT steht für Ultra Low Temperature. Gemeint sind Ultratiefkühlgeräte, die für die Lagerung temperaturempfindlicher Proben und Materialien bei sehr niedrigen Temperaturen entwickelt wurden.
Je nach Modell und Anwendung arbeiten ULT-Gefrierschränke beispielsweise in Temperaturbereichen bis ungefähr -80 °C. Sie sind in unterschiedlichen Bauformen, Größen und Innenraumkonzepten erhältlich.
Klingt zunächst einfach: Tür auf, Proben rein, Tür zu.
Ganz so simpel ist es dann leider doch nicht.
1. Welche Temperatur wird tatsächlich benötigt?
Bevor du verschiedene Modelle vergleichst, solltest du zuerst die wichtigste Frage beantworten:
Bei welcher Temperatur müssen die vorgesehenen Proben oder Materialien gelagert werden?
Nicht jede Anwendung benötigt dieselbe Temperatureinstellung. Die erforderlichen Bedingungen richten sich nach den Proben, Materialien, internen Prozessen und gegebenenfalls den Vorgaben des jeweiligen Herstellers.
Ein Gerät nur deshalb auszuwählen, weil es besonders niedrige Temperaturen erreicht, kann unnötige Kosten und einen höheren Energieverbrauch verursachen.
Mehr Kälte ist nicht automatisch mehr Qualität. Manchmal ist es einfach nur mehr Kälte.
2. Wie viel Volumen wird wirklich gebraucht?
ULT-Gefrierschränke sind in verschiedenen Größen erhältlich. Dabei solltest du nicht ausschließlich auf die angegebene Literzahl schauen.
Wichtige Fragen sind:
- Wie viele Proben sollen aktuell eingelagert werden?
- In welchen Boxen, Racks oder Behältern werden sie gelagert?
- Wie stark wird der Bestand voraussichtlich wachsen?
- Wie häufig werden Proben ein- und ausgelagert?
- Kann der Innenraum sinnvoll organisiert werden?
Ein großer Innenraum bringt wenig, wenn die vorhandenen Boxen und Racks nicht vernünftig hineinpassen.
Plane außerdem eine realistische Reserve ein. Einen Gefrierschrank zu kaufen, der bereits am ersten Tag bis zur letzten Schublade voll ist, ist mutig. Vielleicht sogar ein bisschen zu mutig.
3. Wie ist der Innenraum aufgebaut?
Die Innenaufteilung beeinflusst, wie schnell und gezielt Proben entnommen werden können.
Achte beispielsweise auf:
- Anzahl und Aufteilung der Innenfächer
- Innentüren oder getrennte Innenbereiche
- Kompatibilität mit Racks und Boxen
- Zugänglichkeit häufig benötigter Proben
- Erweiterungsmöglichkeiten für die Lagerorganisation
Eine sinnvolle Aufteilung kann helfen, unnötig lange Türöffnungen zu vermeiden und den Arbeitsalltag übersichtlicher zu gestalten.
Denn „Wir wissen ungefähr, dass die Probe hinten links liegt“ ist kein Lagerungssystem.
4. Wie schnell müssen Proben erreichbar sein?
Werden bestimmte Proben regelmäßig benötigt, sollten sie schnell erreichbar sein. Häufig verwendete Materialien gehören nicht unbedingt ganz nach hinten, unter drei Boxen und neben das mysteriöse Rack, das seit 2019 niemand mehr angefasst hat.
Überlege deshalb:
- Welche Proben werden häufig entnommen?
- Welche Bestände bleiben überwiegend eingelagert?
- Werden mehrere getrennte Lagerbereiche benötigt?
- Können Racks und Boxen eindeutig beschriftet werden?
Je besser der Innenraum organisiert ist, desto einfacher wird die tägliche Nutzung.
5. Welche Alarm- und Überwachungsfunktionen sind erforderlich?
Abhängig von der Anwendung können Funktionen zur Temperaturüberwachung und Alarmierung wichtig sein.
Mögliche Ausstattungsmerkmale sind:
- Temperaturanzeige
- Alarm bei Temperaturabweichungen
- Alarm bei geöffneter Tür
- Aufzeichnung von Temperaturwerten
- Schnittstellen für externe Überwachungssysteme
- Fernmeldungen bei Störungen
Bei temperaturempfindlichen Materialien sollte vorab festgelegt werden, welche Überwachung, Dokumentation und Alarmierung im jeweiligen Betrieb erforderlich sind.
6. Passt das Gerät an den vorgesehenen Standort?
Dieser Punkt wird erstaunlich gern bis zur Anlieferung ignoriert.
Prüfe vor der Bestellung:
- Außenmaße des Geräts
- Türbreiten und Transportwege
- Erforderliche Abstände zur Belüftung
- Raumtemperatur und Raumlüftung
- Bodenbelastung
- Stromversorgung
- Geräusch- und Wärmeentwicklung
Ein ULT-Gefrierschrank, der nicht durch die Labortür passt, ist zwar ein beeindruckendes Möbelstück. Hilfreich ist er draußen im Flur trotzdem nicht.
Die konkreten Installationsbedingungen richten sich immer nach dem jeweiligen Modell und den Herstellerangaben.
7. Welche laufenden Kosten entstehen?
Neben dem Kaufpreis solltest du auch die späteren Betriebskosten berücksichtigen.
Dazu können gehören:
- Stromverbrauch
- Wartung
- Verschleißteile
- Ersatzteile
- Temperaturüberwachung
- Zubehör und Racks
- mögliche Reparaturen
Ein günstiger Anschaffungspreis ist erfreulich. Noch erfreulicher ist ein Gerät, das langfristig zu den tatsächlichen Anforderungen passt.
Checkliste: Welcher ULT-Gefrierschrank passt?
Bevor du ein Angebot anforderst, solltest du möglichst folgende Angaben bereithalten:
- gewünschter Temperaturbereich
- benötigtes Volumen
- Art und Anzahl der Probenbehälter
- bevorzugte Bauform
- benötigte Innenaufteilung
- erforderliche Alarmfunktionen
- verfügbare Stellfläche
- besondere technische Anforderungen
Je klarer diese Punkte sind, desto einfacher lassen sich passende Geräte vergleichen.
Häufige Fragen zu ULT-Gefrierschränken
Was bedeutet ULT?
ULT steht für „Ultra Low Temperature“ und bezeichnet Geräte für die Lagerung bei besonders niedrigen Temperaturen.
Ist ein -80-Grad-Gefrierschrank immer notwendig?
Nein. Die erforderliche Temperatur hängt von den vorgesehenen Proben, Materialien und Lagerungsvorgaben ab.
Sollte möglichst viel Reservevolumen eingeplant werden?
Eine realistische Wachstumsreserve ist sinnvoll. Ein deutlich überdimensioniertes Gerät kann jedoch unnötig Platz und Energie beanspruchen.
Was sollte vor der Lieferung geprüft werden?
Wichtig sind unter anderem der Aufstellort, der Transportweg, die Stromversorgung, die Belüftung und die Installationsanforderungen des konkreten Modells.
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